{"id":3820,"date":"2025-04-05T10:51:43","date_gmt":"2025-04-05T09:51:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/?p=3820"},"modified":"2025-05-12T16:46:01","modified_gmt":"2025-05-12T15:46:01","slug":"schwerbehinderung-bei-migraene","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/3820\/schwerbehinderung-bei-migraene\/","title":{"rendered":"Schwerbehinderung bei Migr\u00e4ne"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Schwerbehinderung bei Migr\u00e4ne: Welcher GdB ist m\u00f6glich und wie setzen Sie ihn durch?<\/h1>\n\n\n\n<p>Migr\u00e4ne ist weit mehr als nur Kopfschmerz. F\u00fcr die rund 8-10 Millionen Betroffenen in Deutschland bedeutet diese neurologische Erkrankung oft massive Einschr\u00e4nkungen im Alltags- und Berufsleben. Viele Patienten leiden nicht nur unter den akuten Schmerzattacken, sondern auch unter der Ungewissheit, wann der n\u00e4chste Anfall sie aus dem Leben rei\u00dft. In diesem Zusammenhang stellt sich f\u00fcr viele die Frage: Kann Migr\u00e4ne als Behinderung anerkannt werden? Und wenn ja, welcher Grad der Behinderung (GdB) ist bei Migr\u00e4ne m\u00f6glich?<\/p>\n\n\n\n<p>Als Fachanwalt f\u00fcr Sozialrecht m\u00f6chte ich Ihnen in diesem Beitrag einen umfassenden \u00dcberblick geben, wie das Versorgungsamt Migr\u00e4ne bewertet, welche Rechte Ihnen zustehen und wie Sie diese erfolgreich durchsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was genau ist Migr\u00e4ne aus medizinischer und rechtlicher Sicht?<\/h2>\n\n\n\n<p>Migr\u00e4ne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft einseitige, pulsierende Kopfschmerzen charakterisiert ist. Die Attacken dauern unbehandelt zwischen 4 und 72 Stunden und werden h\u00e4ufig von \u00dcbelkeit, Erbrechen sowie Licht- und L\u00e4rmempfindlichkeit begleitet. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen tritt zudem eine sogenannte Aura auf \u2013 neurologische Symptome wie Sehst\u00f6rungen, Sprachst\u00f6rungen oder Sensibilit\u00e4tsst\u00f6rungen, die dem eigentlichen Kopfschmerz vorausgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus rechtlicher Perspektive kann Migr\u00e4ne als chronische Erkrankung eingestuft werden, die je nach Schweregrad zu erheblichen Beeintr\u00e4chtigungen der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben f\u00fchren kann. Genau hier setzt das Schwerbehindertenrecht an, das Menschen mit Behinderungen Nachteilsausgleiche gew\u00e4hrt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Grad der Behinderung (GdB) \u2013 Grundlagen und Bedeutung<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Grad der Behinderung (GdB) ist ein Ma\u00df f\u00fcr die k\u00f6rperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Auswirkungen einer Funktionsbeeintr\u00e4chtigung. Er wird in Zehnerschritten von 0 bis 100 angegeben. Die Feststellung erfolgt durch das zust\u00e4ndige Versorgungsamt nach den &#8222;Versorgungsmedizinischen Grunds\u00e4tzen&#8220;, die in der Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV) festgelegt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab einem GdB von 50 gilt man als schwerbehindert und erh\u00e4lt einen Schwerbehindertenausweis. Auch bei niedrigeren GdB-Werten k\u00f6nnen jedoch bereits bestimmte Nachteilsausgleiche in Anspruch genommen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bedeutung des GdB geht weit \u00fcber die blo\u00dfe Anerkennung einer Behinderung hinaus. Er ist die Grundlage f\u00fcr zahlreiche Rechte und Verg\u00fcnstigungen, die Betroffenen das Leben erleichtern sollen. Dazu geh\u00f6ren steuerliche Vorteile, arbeitsrechtliche Schutzrechte und verschiedene Sozialleistungen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">F\u00fchrt Migr\u00e4ne zur Schwerbehinderung? \u2013 Welcher GdB wird wann angesetzt?<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Bewertung von Migr\u00e4ne im Schwerbehindertenrecht erfolgt individuell und orientiert sich an der H\u00e4ufigkeit, Dauer und Schwere der Anf\u00e4lle sowie den damit verbundenen Beeintr\u00e4chtigungen. Nach den Versorgungsmedizinischen Grunds\u00e4tzen werden folgende Richtwerte f\u00fcr den GdB bei Migr\u00e4ne angesetzt:<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Leichte Verlaufsform:<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Anf\u00e4lle durchschnittlich einmal monatlich<\/li>\n\n\n\n<li>GdB-Bewertung: 0-10<\/li>\n\n\n\n<li>Charakteristika: Kurze Dauer, geringe Beeintr\u00e4chtigung des Alltags<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mittelgradige Verlaufsform:<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>H\u00e4ufigere Anf\u00e4lle (mehrmals monatlich)<\/li>\n\n\n\n<li>Jeweils einen oder mehrere Tage anhaltend<\/li>\n\n\n\n<li>GdB-Bewertung: 20-40<\/li>\n\n\n\n<li>Charakteristika: Deutliche Beeintr\u00e4chtigung des Alltags, teilweise Arbeitsunf\u00e4higkeit w\u00e4hrend der Attacken<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Schwere Verlaufsform:<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Langdauernde Anf\u00e4lle mit stark ausgepr\u00e4gten Begleiterscheinungen<\/li>\n\n\n\n<li>Nur wenige schmerzfreie Tage im Monat<\/li>\n\n\n\n<li>GdB-Bewertung: 50-60<\/li>\n\n\n\n<li>Charakteristika: Massive Einschr\u00e4nkung der Lebensqualit\u00e4t, h\u00e4ufige Arbeitsunf\u00e4higkeit, deutliche soziale Beeintr\u00e4chtigungen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Diese Werte sind nur Richtwerte. Die tats\u00e4chliche Einstufung h\u00e4ngt von Ihrem individuellen Krankheitsbild ab. Dabei werden auch Begleiterkrankungen und die Gesamtauswirkung aller gesundheitlichen Einschr\u00e4nkungen ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vorteile eines anerkannten GdB bei Migr\u00e4ne <\/h2>\n\n\n\n<p>Die Anerkennung eines GdB bringt zahlreiche Vorteile mit sich, die je nach H\u00f6he des festgestellten Grades variieren:<\/p>\n\n\n\n<p>Ab einem GdB von 30 k\u00f6nnen Betroffene eine Gleichstellung mit schwerbehinderten Menschen beantragen, sofern dies f\u00fcr die Sicherung des Arbeitsplatzes relevant ist. Diese Gleichstellung gew\u00e4hrt \u00e4hnliche arbeitsrechtliche Schutzrechte wie bei einer Schwerbehinderung, insbesondere den besonderen K\u00fcndigungsschutz, bei dem das Integrationsamt einer K\u00fcndigung zustimmen muss. Steuerlich profitieren Betroffene bereits ab einem GdB von 20 von Pauschbetr\u00e4gen (384 \u20ac bei GdB 20, 620 \u20ac bei GdB 30, 860 \u20ac bei GdB 40). <\/p>\n\n\n\n<p>Ab einem GdB von 50 gilt man als schwerbehindert und erh\u00e4lt einen Schwerbehindertenausweis mit weiteren Vorteilen, zum Beispiel: automatischer besonderer K\u00fcndigungsschutz ohne Gleichstellungsantrag, Anspruch auf bis zu 5 Tage zus\u00e4tzlichen Urlaub pro Jahr, Freistellung von Mehrarbeit auf Antrag, bevorzugte Ber\u00fccksichtigung bei Einstellungen im \u00f6ffentlichen Dienst, M\u00f6glichkeit des vorzeitigen Renteneintritts (bei Erf\u00fcllung der sonstigen Rentenvoraussetzungen) sowie ein h\u00f6herer steuerlicher Pauschbetrag von 1.140 \u20ac (bei GdB 50).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum GdB-Bescheide oft zu niedrig ausfallen<\/h2>\n\n\n\n<p>In meiner anwaltlichen Praxis erlebe ich h\u00e4ufig, dass der GdB im Erstbescheid zu niedrig angesetzt wird. Die Versorgungsbeh\u00f6rden legen strenge Kriterien an und ber\u00fccksichtigen nicht immer die gesamten Lebensumst\u00e4nde. Migr\u00e4ne l\u00e4sst sich zudem schlecht durch einfache diagnostische Verfahren oder Blutwerte nachweisen. Es handelt sich um eine <a href=\"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/3485\/unsichtbare-behinderung\/\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/3485\/unsichtbare-behinderung\/\" rel=\"noreferrer noopener\">&#8222;unsichtbare Erkrankung&#8220;<\/a>.  Vieles h\u00e4ngt von Ihrer eigenen Dokumentation und den Aussagen Ihrer \u00c4rztinnen und \u00c4rzte ab. Ein weiterer Grund liegt darin, dass Patientinnen und Patienten die Attacken im Alltag als \u201enormal\u201c empfinden und diese nicht ausreichend beschreiben. Im Fragebogen oder beim \u00e4rztlichen Gutachten fehlt oft die detaillierte Darstellung der konkreten Auswirkungen auf Beruf und Alltag. Auch die H\u00e4ufigkeit der Anf\u00e4lle wird manchmal untersch\u00e4tzt oder inkonsequent dokumentiert. Infolgedessen stuft das Versorgungsamt die Beeintr\u00e4chtigung regelm\u00e4\u00dfig zu niedrig ein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Weg zum anerkannten GdB \u2013 Schritt f\u00fcr Schritt<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Prozess zur Anerkennung eines GdB bei Migr\u00e4ne erfordert Geduld und eine gute Vorbereitung. Hier eine detaillierte Anleitung:<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Dokumentation der Migr\u00e4ne<\/h3>\n\n\n\n<p>Bevor Sie einen Antrag stellen, sollten Sie Ihre Migr\u00e4ne \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum (idealerweise mehrere Monate) dokumentieren. F\u00fchren Sie ein Migr\u00e4netagebuch, in dem Sie folgende Aspekte festhalten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>H\u00e4ufigkeit und Dauer der Anf\u00e4lle<\/li>\n\n\n\n<li>Intensit\u00e4t der Schmerzen (z.B. auf einer Skala von 1-10)<\/li>\n\n\n\n<li>Begleitsymptome (\u00dcbelkeit, Erbrechen, Licht-\/L\u00e4rmempfindlichkeit, Aura)<\/li>\n\n\n\n<li>Einnahme von Medikamenten und deren Wirkung<\/li>\n\n\n\n<li>Arbeitsunf\u00e4higkeitstage aufgrund von Migr\u00e4ne<\/li>\n\n\n\n<li>Einschr\u00e4nkungen im Alltag<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Diese Dokumentation ist ein wichtiges Beweismittel f\u00fcr das Versorgungsamt und kann entscheidend f\u00fcr die H\u00f6he des zuerkannten GdB sein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. \u00c4rztliche Diagnose und Berichte<\/h3>\n\n\n\n<p>Lassen Sie sich von Ihrem behandelnden Neurologen eine ausf\u00fchrliche Diagnose und einen Bericht \u00fcber Ihre Migr\u00e4ne erstellen. Dieser sollte folgende Punkte enthalten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Diagnose nach ICD-10 (z.B. G43.0 f\u00fcr Migr\u00e4ne ohne Aura)<\/li>\n\n\n\n<li>Verlauf und Schweregrad der Erkrankung<\/li>\n\n\n\n<li>Bisherige Therapieversuche und deren Erfolg\/Misserfolg<\/li>\n\n\n\n<li>Prognose<\/li>\n\n\n\n<li>Einsch\u00e4tzung der Beeintr\u00e4chtigungen im Alltags- und Berufsleben<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Je detaillierter dieser Bericht ist, desto besser kann das Versorgungsamt Ihre Situation einsch\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Antragstellung beim Versorgungsamt<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Antrag auf Feststellung des GdB kann formlos oder mit einem Formular beim zust\u00e4ndigen Versorgungsamt gestellt werden. Folgende Unterlagen sollten Sie beif\u00fcgen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ausgef\u00fclltes Antragsformular<\/li>\n\n\n\n<li>Kopien aller relevanten \u00e4rztlichen Berichte und Befunde<\/li>\n\n\n\n<li>Ihr Migr\u00e4netagebuch<\/li>\n\n\n\n<li>Ggf. Bescheinigungen \u00fcber Arbeitsunf\u00e4higkeitszeiten<\/li>\n\n\n\n<li>Ggf. Berichte \u00fcber Klinikaufenthalte oder Rehabilitationsma\u00dfnahmen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Wichtig: Behalten Sie Kopien aller eingereichten Unterlagen f\u00fcr Ihre eigenen Akten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Begutachtung durch das Versorgungsamt<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach Eingang Ihres Antrags wird das Versorgungsamt in der Regel eine Begutachtung veranlassen. Dies kann auf zwei Wegen geschehen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Aktengutachten: Der Gutachter bewertet Ihren Fall anhand der eingereichten Unterlagen.<\/li>\n\n\n\n<li>Pers\u00f6nliche Untersuchung: Sie werden zu einer Untersuchung eingeladen. Dies geschieht jedoch allgemein bei den Versorgungs\u00e4mtern nur sehr selten.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Bei Migr\u00e4ne ist ein Aktengutachten \u00fcblich, da die Erkrankung in der Regel nicht durch eine einmalige Untersuchung festgestellt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5. Bescheid des Versorgungsamtes<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach Abschluss der Begutachtung erhalten Sie einen schriftlichen Bescheid \u00fcber den festgestellten GdB. Dieser Bescheid enth\u00e4lt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Den festgestellten Gesamt-GdB<\/li>\n\n\n\n<li>Die Einzelwerte f\u00fcr jede ber\u00fccksichtigte Gesundheitsst\u00f6rung (nicht bei allen Versorgungs\u00e4mtern \u00fcblich)<\/li>\n\n\n\n<li>Ggf. zuerkannte Merkzeichen<\/li>\n\n\n\n<li>Eine Rechtsmittelbelehrung<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was tun bei Ablehnung oder zu niedrigem GdB?<\/h2>\n\n\n\n<p>Leider ist es keine Seltenheit, dass Antr\u00e4ge auf Anerkennung eines GdB bei Migr\u00e4ne abgelehnt oder mit einem zu niedrigen GdB beschieden werden. Dies muss nicht immer richtig sein!<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Widerspruch einlegen<\/h3>\n\n\n\n<p>Gegen einen ablehnenden oder unzureichenden Bescheid k\u00f6nnen Sie innerhalb eines Monats nach Zustellung Widerspruch einlegen. Der Widerspruch sollte schriftlich erfolgen (sehen Sie hierzu in die Rechtsbehelfsbelehrung am Ende des Bescheides) und folgende Elemente enthalten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ihre pers\u00f6nlichen Daten und Aktenzeichen<\/li>\n\n\n\n<li>Eine klare Formulierung, dass Sie Widerspruch einlegen<\/li>\n\n\n\n<li>Eine ausf\u00fchrliche Begr\u00fcndung, warum Sie mit dem Bescheid nicht einverstanden sind<\/li>\n\n\n\n<li>Ggf. neue \u00e4rztliche Berichte oder Gutachten<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Die Begr\u00fcndung k\u00f6nnen Sie auch nachreichen, aber innerhalb der Monatsfrist muss zumindest der formelle Widerspruch eingelegt werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fachanwalt f\u00fcr Sozialrecht hinzuziehen<\/h3>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens im Widerspruchsverfahren empfiehlt es sich, einen Fachanwalt f\u00fcr Sozialrecht hinzuzuziehen. Als spezialisierter Anwalt kann ich aus Erfahrung sagen, dass die Erfolgsaussichten mit professioneller Unterst\u00fctzung deutlich steigen. Ein Fachanwalt kann:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die rechtliche Situation korrekt einsch\u00e4tzen<\/li>\n\n\n\n<li>Ihnen darauf aufbauend eine Einsch\u00e4tzung der Erfolgsaussichten geben<\/li>\n\n\n\n<li>Den Widerspruch juristisch fundiert begr\u00fcnden<\/li>\n\n\n\n<li>Sie entlasten, indem er die Korrespondenz mit dem Versorgungsamt \u00fcbernimmt<\/li>\n\n\n\n<li>Sie im gesamten Verfahren vertreten<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Klage vor dem Sozialgericht<\/h3>\n\n\n\n<p>Wird auch der Widerspruch zur\u00fcckgewiesen, bleibt der Weg zum Sozialgericht. Die Klage muss innerhalb eines Monats nach Zustellung des Widerspruchsbescheids erhoben werden. Das Verfahren vor dem Sozialgericht ist f\u00fcr Versicherte kostenfrei, es fallen lediglich Kosten f\u00fcr einen Anwalt an, sofern Sie sich anwaltlich vertreten lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im gerichtlichen Verfahren wird oft ein unabh\u00e4ngiges Sachverst\u00e4ndigengutachten eingeholt, das eine neue Bewertung Ihrer Migr\u00e4ne vornimmt. Die Erfolgsaussichten sind hier oft noch besser als im Verwaltungsverfahren, da die Gerichte unabh\u00e4ngig vom Versorgungsamt entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Praktische Tipps f\u00fcr Migr\u00e4ne-Betroffene im GdB-Verfahren<\/h2>\n\n\n\n<p>Aus meiner langj\u00e4hrigen Erfahrung als Fachanwalt f\u00fcr Sozialrecht m\u00f6chte ich Ihnen folgende praktische Tipps mit auf den Weg geben:<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">1. Dokumentieren Sie l\u00fcckenlos<\/h3>\n\n\n\n<p>F\u00fchren Sie konsequent ein Migr\u00e4netagebuch, am besten digital mit einer speziellen App oder in tabellarischer Form. Notieren Sie auch die Auswirkungen auf Ihren Alltag und Beruf.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">2. Suchen Sie spezialisierte \u00e4rztliche Hilfe<\/h3>\n\n\n\n<p>Lassen Sie sich von einem Neurologen oder in einer spezialisierten Migr\u00e4ne-Klinik behandeln. Deren Berichte haben vor dem Versorgungsamt mehr Gewicht als die eines Allgemeinmediziners.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">3. Sammeln Sie alle medizinischen Unterlagen<\/h3>\n\n\n\n<p>Bewahren Sie s\u00e4mtliche Arztberichte, Krankenhausberichte, Medikamentenverordnungen und Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigungen auf. Diese Dokumente sind wichtige Beweismittel.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">4. Seien Sie bei der Antragstellung umfassend<\/h3>\n\n\n\n<p>Geben Sie alle gesundheitlichen Einschr\u00e4nkungen an, nicht nur die Migr\u00e4ne. Oft f\u00fchrt erst die Gesamtschau aller Beeintr\u00e4chtigungen zu einem h\u00f6heren GdB.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">5. Bleiben Sie hartn\u00e4ckig<\/h3>\n\n\n\n<p>Lassen Sie sich von einem ablehnenden Bescheid nicht entmutigen. Viele erfolgreiche GdB-Anerkennungen werden erst im Widerspruchs- oder Klageverfahren erreicht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">6. Holen Sie sich Unterst\u00fctzung<\/h3>\n\n\n\n<p>Sei es durch Selbsthilfegruppen, Behindertenverb\u00e4nde oder einen spezialisierten Anwalt \u2013 nutzen Sie alle verf\u00fcgbaren Ressourcen, um Ihre Rechte durchzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">H\u00e4ufig gestellte Fragen (FAQ) zum Thema GdB bei Migr\u00e4ne<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>1. Kann Migr\u00e4ne \u00fcberhaupt als Behinderung anerkannt werden?<\/strong><br>Ja, Migr\u00e4ne kann als Behinderung anerkannt werden. Entscheidend sind H\u00e4ufigkeit, Schwere und Dauer der Anf\u00e4lle sowie die daraus resultierenden Beeintr\u00e4chtigungen im Alltag und Berufsleben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. Welcher maximale GdB ist bei Migr\u00e4ne m\u00f6glich?<\/strong><br>Bei schweren Verlaufsformen mit h\u00e4ufigen, langanhaltenden Attacken und ausgepr\u00e4gten Begleitsymptomen kann ein GdB von bis zu 60 erreicht werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. Reicht ein Attest meines Hausarztes f\u00fcr den Antrag aus?<\/strong><br>Ein Attest des Hausarztes ist hilfreich, aber idealerweise sollten Sie Berichte eines Neurologen oder einer spezialisierten Migr\u00e4ne-Klinik vorlegen, da diese fachlich fundierter sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4. Wie lange dauert das Verfahren zur Feststellung des GdB?<\/strong><br>Die Bearbeitungszeit variiert je nach Bundesland und Arbeitsbelastung des Versorgungsamtes. In der Regel sollten Sie mit 3-6 Monaten rechnen, bei Widerspruchs- oder Klageverfahren entsprechend l\u00e4nger.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>5. Muss ich zum Gutachter, wenn ich einen GdB-Antrag stelle?<\/strong><br>In der Regel nicht. Bei Migr\u00e4ne wird h\u00e4ufig ein Aktengutachten erstellt, da die Erkrankung bei einer einmaligen Untersuchung oft nicht feststellbar ist. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>6. Kann ich auch mit einem niedrigen GdB (unter 50) Vorteile erhalten?<\/strong><br>Ja, auch mit einem GdB unter 50 haben Sie Anspruch auf bestimmte Nachteilsausgleiche. Bei einem GdB von 20 bis 40 k\u00f6nnen Sie steuerliche Pauschbetr\u00e4ge geltend machen. Ab einem GdB von 30 k\u00f6nnen Sie zudem eine Gleichstellung mit schwerbehinderten Menschen beantragen, wenn Sie dadurch Ihren Arbeitsplatz sichern k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>7. Wie kann ich meine Migr\u00e4ne f\u00fcr das Versorgungsamt nachweisen?<\/strong><br>Da Migr\u00e4ne nicht durch objektive Befunde wie R\u00f6ntgenbilder oder Laborwerte nachweisbar ist, kommt der Dokumentation besondere Bedeutung zu. F\u00fchren Sie ein detailliertes Migr\u00e4netagebuch, sammeln Sie alle \u00e4rztlichen Berichte und Atteste, dokumentieren Sie Arbeitsunf\u00e4higkeitszeiten und lassen Sie sich von einem Neurologen eine ausf\u00fchrliche Stellungnahme zu Ihren Einschr\u00e4nkungen ausstellen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>8. Wie oft wird der GdB \u00fcberpr\u00fcft?<\/strong><br>Das Versorgungsamt kann den festgestellten GdB in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden \u00fcberpr\u00fcfen, wenn eine Besserung des Gesundheitszustands zu erwarten ist. Bei chronischer Migr\u00e4ne mit stabilem Verlauf sind \u00dcberpr\u00fcfungen jedoch seltener.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>9. Kann ich trotz Migr\u00e4ne weiterarbeiten?<\/strong><br>Viele Menschen mit Migr\u00e4ne k\u00f6nnen mit entsprechenden Anpassungen weiterarbeiten. Ein anerkannter GdB kann dabei helfen, notwendige Arbeitsplatzanpassungen zu erhalten, wie flexible Arbeitszeiten, ruhige Arbeitsumgebung oder die M\u00f6glichkeit, bei Anf\u00e4llen kurzfristig zu pausieren oder im Homeoffice zu arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag dient ausschlie\u00dflich der allgemeinen Information und ersetzt keine rechtliche oder medizinische Beratung. Die dargestellten Informationen wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt, k\u00f6nnen jedoch aufgrund von Gesetzes\u00e4nderungen oder individuellen Besonderheiten im Einzelfall abweichen. F\u00fcr medizinische Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt; f\u00fcr rechtliche Anliegen empfehlen wir die Konsultation eines Fachanwalts f\u00fcr Sozialrecht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weiterf\u00fchrende Links:<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/sozialrecht\/schwer-behindertenrecht\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/sozialrecht\/schwer-behindertenrecht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Alexander Grotha &#8211; Ihr Fachanwalt f\u00fcr Sozialrecht<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/3790\/long-post-covid-im-sozialrecht\/\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/3790\/long-post-covid-im-sozialrecht\/\" rel=\"noreferrer noopener\">Sozialrechtliche Anspr\u00fcche bei Long-\/Post-COVID<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/3663\/erhoehung-grad-der-behinderung-tipps\/\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/3663\/erhoehung-grad-der-behinderung-tipps\/\" rel=\"noreferrer noopener\">Erh\u00f6hung des Grades der Behinderung (GdB): Tipps f\u00fcr eine erfolgreiche Antragstellung<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.dmkg.de\/startseite\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Deutsche Migr\u00e4ne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V.<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.migraeneliga.de\/\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.migraeneliga.de\/\" rel=\"noreferrer noopener\">Migr\u00e4neLiga e.V.<\/a><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<!-- Video Embed Code -->\n<iframe title=\"GdB_Migr\u00e4ne_Website\" src=\"https:\/\/sozialrecht-grotha.videocdn.net\/player\/index.html?id=682214269bb3b2bef5fd3077&#038;controls=true&#038;loop=false&#038;muted=false&#038;autoplay=false&#038;=fullscreen=true&#038;fit=contain&#038;colorPrimary=rgba(47, 171, 22, 1)&#038;colorSecondary=FFFFFF&#038;colorBackground=000000&#038;uiRadius=10\" frameborder=\"0\" allowfullscreen style=\"border: none; aspect-ratio: 16\/9; width: 100%; height: auto;\" allow=\"autoplay; fullscreen; picture-in-picture; clipboard-write\"><\/iframe>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwerbehinderung bei Migr\u00e4ne: Welcher GdB ist m\u00f6glich und wie setzen Sie ihn durch? Migr\u00e4ne ist weit mehr als nur Kopfschmerz. F\u00fcr die rund 8-10 Millionen Betroffenen in Deutschland bedeutet diese neurologische Erkrankung oft massive Einschr\u00e4nkungen im Alltags- und Berufsleben. Viele<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3825,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,37],"tags":[51,95,94],"class_list":["post-3820","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-schwerbehindertenrecht","tag-gdb","tag-migraene","tag-schwerbehinderung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3820","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3820"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3820\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3844,"href":"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3820\/revisions\/3844"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3825"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3820"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3820"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3820"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}