{"id":2458,"date":"2021-06-18T18:08:03","date_gmt":"2021-06-18T17:08:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ra-grotha.de\/?p=2458"},"modified":"2021-06-18T18:08:03","modified_gmt":"2021-06-18T17:08:03","slug":"kopfschuetteln-ueber-das-jobcenter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ra-grotha.de\/wordpress\/2458\/kopfschuetteln-ueber-das-jobcenter\/","title":{"rendered":"Kopfsch\u00fctteln \u00fcber das Jobcenter"},"content":{"rendered":"<p>Hier wieder mal etwas aus der Kategorie &#8222;Kopfsch\u00fctteln&#8220;.<\/p>\n<p>Ich habe gerade eine Klagebegr\u00fcndung in einer Jobcenter-Angelegenheit gefertigt und musste mich bei der Formulierung wieder einmal sehr zur\u00fcckhalten, um nicht unsachlich zu werden.<\/p>\n<p>Betroffen ist ein \u00e4lterer, \u00e4u\u00dferst sympathischer Mandant, der alles daf\u00fcr tut, als allein erziehender Vater sein Kind und sich m\u00f6glichst gut \u00fcber die Runden zu bringen. Das Einkommen reicht nicht aus, sodass aufstockend Jobcenter-Leistungen bezogen werden.<\/p>\n<p>Dieser Mandant hat einige k\u00f6rperliche Einschr\u00e4nkungen. Das Jobcenter vermittelte ihm ein Stellenangebot eines bekannten deutschen Unternehmens f\u00fcr eine Vollzeit-T\u00e4tigkeit als Paketauslieferer.<\/p>\n<p>Pflichtbewusst stellt sich der Mandant bei dieser Firma vor, das Arbeitsverh\u00e4ltnis kommt nicht zustande. Der Arbeitgeber teilt dem Jobcenter sinngem\u00e4\u00df mit, der Mandant habe die Stelle gar nicht haben wollen und habe k\u00f6rperliche Gebrechen vorgespielt.<\/p>\n<p>Obwohl der Mandant im Rahmen der Anh\u00f6rung klar \u00e4u\u00dfert, was tats\u00e4chlich geschehen ist, glaubt ihm das Jobcenter nat\u00fcrlich kein Wort und verh\u00e4ngt eine Sanktion, k\u00fcrzt also die existenzsichernden Leistungen f\u00fcr drei Monate um 30 %.<\/p>\n<p>Das Wahnwitzige bei dieser Sache: schon in der Stellenbeschreibung wird ausdr\u00fccklich darauf hingewiesen, dass der Bewerber unbedingt k\u00f6rperlich belastbar sein muss, da Pakete mit einem Gewicht von \u00fcber 30 Kilo getragen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig existiert in der Akte des Jobcenter ein Gutachten \u00fcber eine Untersuchung durch den \u00e4rztlichen Dienst der Beh\u00f6rde, in dem die k\u00f6rperlichen Beeintr\u00e4chtigungen festgestellt werden. Dort wird ausdr\u00fccklich festgehalten, dass der Mandant unter anderem h\u00e4ufiges Heben und Tragen und andere Zwangshaltungen der Wirbels\u00e4ule nicht durchf\u00fchren kann und darf. R\u00fccken ist kaputt.<\/p>\n<p>Zusammengefasst: das Jobcenter schickt dem Mandanten ein Stellenangebot f\u00fcr eine Arbeitst\u00e4tigkeit, die dieser ganz eindeutig und f\u00fcr jeden ersichtlich nicht einmal ansatzweise k\u00f6rperlich aus\u00fcben kann. Weil das Arbeitsverh\u00e4ltnis nun nicht zustande gekommen ist und der Arbeitgeber irgendeinen Mist schreibt, erh\u00e4lt der Mandant eine Sanktion.<\/p>\n<p>In was f\u00fcr Probleme man die Menschen mit einem derartigen Vorgehen bringt, scheint vollkommen uninteressant zu sein. Nun gut, mein sportlicher Ehrgeiz ist bei aller gebotenen Professionalit\u00e4t geweckt, diese Sanktion bekommen wir vom Tisch.<\/p>\n<p>Leider hat sich der Mandant erst nach verlorenem Widerspruchsverfahren gemeldet, sonst h\u00e4tten wir die Sanktion direkt mit einem gerichtlichen Eilverfahren im Keim ersticken k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier wieder mal etwas aus der Kategorie &#8222;Kopfsch\u00fctteln&#8220;. Ich habe gerade eine Klagebegr\u00fcndung in einer Jobcenter-Angelegenheit gefertigt und musste mich bei der Formulierung wieder einmal sehr zur\u00fcckhalten, um nicht unsachlich zu werden. 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